Der Mittwoch wird ein extrem wichtiger Tag für die Märkte – der Countdown läuft. Donald Trump wird eine Reihe neuer Zölle ankündigen, die unmittelbar nach der Verkündung in Kraft treten sollen. Besonders in der Schusslinie sind dabei die Autobauer.
Bereits zuvor hatte Trump Zölle in Höhe von 25 Prozent angekündigt. Die schlechte Stimmung bei Auto-Aktien hat inzwischen längst auf andere Sektoren übergegriffen.
Zwar haben sich die US-Indizes in den letzten zwei Handelstagen erholt, doch die Lage bleibt höchst angespannt. Die aktuellen Kursanstiege sind vorerst lediglich als technische Gegenbewegung zu werten. Niemand möchte einsteigen, solange die Gefahr besteht, ins fallende Messer zu greifen.
Gold glänzt, Aktien unter Druck
Am Abend wird eine Rede erwartet (22 Uhr deutscher Zeit), in der Trump voraussichtlich neue Zölle ankündigen wird. Er erwägt offenbar einen universellen Zoll in Höhe von 20 Prozent. Die Autozölle sollen am Donnerstag um 6:01 Uhr deutscher Zeit in Kraft treten.
Die Unsicherheit in Bezug auf die Handelspolitik (siehe Chart) hat ein Rekordniveau erreicht – deutlich über dem Niveau, das während der Zuspitzung des Handelsstreits im Jahr 2019 erreicht wurde. Was wir derzeit beobachten, übertrifft bei weitem die Unsicherheiten während Trumps erster Präsidentschaft.
Diese Unsicherheit spiegelt sich deutlich in den Märkten wider. Gold, Anleihen und der Volatilitätsindex steigen, während Aktien unter Druck stehen. Der S&P 500 flirtet seit einigen Wochen mit dem Korrekturbereich.
Der Goldpreis hat in dieser Woche erneut ein Rekordhoch erreicht und hält sich über der Marke von 3.100 US-Dollar. Auch US-Staatsanleihen gewinnen als Absicherungsinstrument an Attraktivität. Die Rendite der 10-jährigen US-Anleihen liegt aktuell bei 4,17 Prozent – Mitte Januar lag sie zwischenzeitlich noch bei über 4,8 Prozent.
Neue Importzölle treffen Europas Automarken hart
Fast jedes zweite in den USA verkaufte Auto wird importiert. Die neuen Zölle treffen vor allem Hersteller, die gar nicht in den USA produzieren – darunter Luxusmarken wie Porsche und Ferrari. Die Porsche-Aktie erreichte in dieser Woche ein neues Rekordtief.
Ferrari verfolgt einen hybriden Ansatz. Das Unternehmen plant, die Preise in den USA um bis zu 10 Prozent anzuheben und den verbleibenden Teil der Zölle selbst zu tragen.
Besonders betroffen sind die deutschen Autobauer. Im Jahr 2024 wurden 57 Prozent der in den USA verkauften europäischen Fahrzeuge direkt aus Deutschland importiert.
Die neuen US-Zölle könnten die großen deutschen Autohersteller bis zu 11 Milliarden Euro kosten. Doch auch amerikanische Marken wie GM und Ford werden unter den Preissteigerungen leiden.
Autoaktien verlieren an Gewicht
Die vier Autoaktien im DAX kommen zusammen nur noch auf etwa zwei Drittel der Marktkapitalisierung von SAP. SAP hat Novo Nordisk überholt und ist nun das wertvollste börsennotierte Unternehmen Europas.
Das unterstreicht, dass ein weiterer Ausverkauf bei Autoaktien heute deutlich geringere Auswirkungen auf den Gesamtmarkt hätte als noch vor einigen Jahren. Autobauer könnten den DAX ausbremsen und unter Druck setzen, aber nicht zum Einsturz bringen.
Aktuell werden jedoch alle anderen Themen von den Zollängsten überschattet. Die negative Stimmung greift bereits auf andere Sektoren über. Trumps bevorstehende Ankündigung sorgt für Nervosität.
Für die deutsche Wirtschaft ist die Automobilbranche nach wie vor von zentraler Bedeutung. Fast 773.000 Menschen sind direkt in der Branche beschäftigt.
Ein Ausreißer im Autosektor ist BYD. Die Aktie ist seit Jahresbeginn über 40 Prozent gestiegen. Das Unternehmen hat im Jahr 2024 Tesla beim Umsatz überholt.
Performance ausgewählter Autoaktien seit Jahresbeginn. BYD, Volkswagen, Ferrari, Mercedes-Benz, Ford, BMW, GM, Porsche und Tesla. Quelle: eToro, TradingView.
Was Anleger jetzt bedenken sollten
Anleger sollten verschiedene Szenarien durchspielen und diesen jeweils Wahrscheinlichkeiten zuweisen. Das kann helfen, das Portfolio gezielt auf mögliche Entwicklungen vorzubereiten.
Sollten die angekündigten Zölle tatsächlich in Kraft bleiben, sind schnelle Gegenmaßnahmen zu erwarten. Die EU soll laut Berichten einen „starken Plan” zur Gegenreaktion auf US-Zölle vorbereitet haben.
Wenn die Situation eskaliert, könnte sich das, was wir aktuell bereits an den Märkten beobachten, weiter verstärken. Die Flucht in sichere Anlagen dürfte zunehmen, während Aktien unter zusätzlichen Druck geraten würden. Eine vollständige Eskalation ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht eingepreist.
Ein weiteres Szenario wären niedrigere Strafzölle oder ein vorübergehender Aufschub, falls es Zugeständnisse von Handelspartnern gibt. Entscheidend sind in diesem Zusammenhang die Ergebnisse der Gespräche, die in den kommenden Wochen geführt werden.
Ein schnelles Zurückrudern von Trump gilt als unwahrscheinlich. Er will den Druck aufrechterhalten und seine Handelsposition stärken. Zumindest scheint das seine Strategie zu sein. Ob ein Handelskrieg überhaupt „gewonnen“ werden kann, ist jedoch eine andere Frage.
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